MEHRSPRACHIGE ERZIEHUNG

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Die Sprache und Sprachentwicklung mehrsprachiger Person weist besondere Merkmale auf. Durch die einzigartige Verbindung der beteiligten Sprachen kann die Sprachentwicklung mehrsprachiger Kinder stark variieren. Dadurch, dass Kinder von der Geburt an mit mehreren Sprachen konfrontiert werden, kann es zur zeitlichen Verschiebung der einzelnen Erwerbsstufen kommen. So ist ein Sprachbeginn im 14. bis 16. Lebensmonat bei Mehrsprachigkeit keinesfalls als Symptom einer Sprachverzögerung anzusehen. Wie groß die Verschiebung ist, hängt auch von der linguistischen Komplexität der Sprachen oder deren strukturellen Ähnlichkeit ab. Die Frequenz der Sprachnutzung oder auch die Motivation spielen hier auch eine Rolle.

In der Sprachproduktion mehrsprachig aufwachsender Kinder kommt es häufig zu den Sprachmischungen und sprachlichen Interferenzen. Sprachliche Interferenzen zeigen, dass die Sprachen während der Entwicklung aufeinander wirken. Sie entstehen, wenn die Struktur einer Sprache auf die andere übertragen wird. So können lautliche Interferenzen produziert werden, indem Lauteigenschaften einer Sprache auf die Elemente der anderen Sprache angewendet werden; lexikalische Interferenzen, indem der Wortschatz einer Sprache in der anderen genutzt wird oder syntaktischen Interferenzen, indem die Satzmuster einer Sprache beim Satzbau in der anderen Sprache verwendet werden.

Den Einfluss der Mehrsprachigkeit auf die kindliche Entwicklung und Persönlichkeit des Kindes versuchen zahlreiche Theorien in der Wissenschaft zu erklären. Manche betonen die Bedeutung der Muttersprache oder Erstsprache, denn nur auf deren Basis kann der Erwerb weiterer Sprachen erfolgen. Die anderen stellen den reichlichen sprachlichen Input aller Sprachen in den Vordergrund. Zu den Faktoren, die im Zusammenhang mit einer erfolgreichen mehrsprachigen Erziehung diskutiert werden, gehören auch soziale Faktoren, wie etwa soziales Umfeld, oder Kontakt mit Gleichaltrigen, personale Faktoren, wie etwa die sprachliche Begabung und die emotionalen Faktoren, wie Sprachmotivation, Gefühle und Einstellungen gegenüber der Sprache und Mehrsprachigkeit.

Auf der Basis, der in der Theorie formulieren Annahmen lassen sich für eine erfolgreiche mehrsprachige Erziehung einige Erziehungsprinzipien formulieren:

  • „One person, one language“ – konsequente Trennung der Sprachen
  • Intensive sprachliche Zuwendung
  • Möglichkeit das Gelernte anzuwenden
  • Ausgewogenheit der Sprachen im sprachlichen Alltag des Kindes
  • Vermittlung des Nutzens, der Bedeutung und des sozialen Wertes der Sprachen

Kinder, die von Anfang an mit mehreren Sprachen konfrontiert werden und die Chance haben diese zu erlernen, zeigen eindeutige Vorteile. Sie erlernen in der Regel diese Sprachen besser, als zu einem späteren Zeitpunkt oder auf dem institutionellen Weg. Gleichzeitig müssen diese Kinder auch mehr leisten. Sie sind auf ein umfassendes und ausgeglichenes sprachliches Angebot angewiesen. Um eine erfolgreiche mehrsprachige Sprachentwicklung zu sichern, muss ein umfassendes sprachliches Angebot gesichert werden.